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Diese Seite beantwortet die gängigsten Einsteigerfragen.


Soll meine Webseite barrierefrei sein?

Die Antwort auf diese Frage ist meist eine Gegenfrage: »Was heißt denn barrierefrei?«. Obwohl eine prägnante Antwort zu der zweiten Frage nicht möglich ist, könnte die Antwort so lauten:

Barrierefreies Webdesign ist die Kunst, Webseiten so zu gestalten, dass jeder sie nutzen und lesen kann.
(barrierefreies-webdesign.de)

Insbesondere geht es bei der Barrierefreiheit um Menschen mit Behinderungen. Und wenn die Nutzbarkeit durch Sehbehinderte, motorisch Eingeschränkte, Gehörlose oder gar Blinde sichergestellt ist, dann werden andere, die vielleicht »nur« ihre Brille zuhause vergessen haben, nicht darunter leiden. Im Gegenteil: es dürfte jeder von der Barrierefreiheit profitieren, weil die Seiten zugänglicher und nutzbarer werden. Insofern lautet die Antwort zur Ausgangsfrage: »Ja, Webseiten sollten barrierefrei gestaltet werden.«

Warum sollte mich das kümmern?

Besonders im Internet müssten sich Firmen mit E-Shops u.ä. mit den Anforderungen derjenigen Menschen, die Behinderungen haben, auseinandersetzen. Wer meint, Behinderte gehörten nicht zur Zielgruppe, hat vermutlich keine Vorstellung von Behinderung. Blinde Nutzer können online Autos kaufen, jemand mit einer schweren Spastik kann im Chat diskutieren und online können Sehbehinderte ohne fremde Hilfe im Buchladen stöbern. Sie werden vermutlich nie erfahren, wieviele Besucher Ihrer Seiten tatsächlich auch eine Behinderung haben.

Im Internet hat im Prinzip jeder Zugriff auf Ihre Seiten. Komplizierte Navigationsmechanismen, unverständliche Zugänge u.v.m. können die Nutzung eines Angebots einschränken oder gar verhindern. Die Nutzbarkeit durch alle sollte das oberste Gebot bei der Umsetzung eines Webprojekts sein.

Auch wenn allgemeiner argumentiert wird, etwa »Wir kennen unsere Nutzer …«, so kann ein gebrochener Arm dazu führen, dass bestimmte Aspekte der Barrierefreiheit für die Nutzung einer Anwendung wichtig werden. Auch andere Situationen spielen immer wieder eine Rolle, etwa die eilige Suche nach einer bestimmten Seite, deren Titel einem zum Verrecken nicht einfallen will. Und wenn eine präzise Umfrage gestartet würde, würde festgestellt werden, dass einige Nutzer farbenblind oder mit anderen Einschränkungen die Seiten nutzen.

In einer Studie von Microsoft wird deshalb davon ausgegangen, dass sage und schreibe 57 Prozent aller Nutzer von Barrierefreiheit profitieren.

Was soll ich den tun?

Für Barrierefreiheit zu sorgen, ist natürlich in erster Linie die Aufgabe Ihres Webdesigners. Fragen Sie ihn, ob er Webseiten von sich aus barrierefrei anlegt oder fordern Sie es ein. Im Grunde sollte die Barrierefreiheit im Internet selbstverständlich sein, zumal die Einhaltung der technischen Standards nicht nur behinderten Nutzern zu Gute kommt, sondern ganz allgemein die Performance der Seite deutlich verbessert.

Sechs Punkte für bessere Zugänglichkeit

Folgende sechs Punkte sollten über die Standardkonformität hinaus in Konzepten zur Erstellung barrierefreier Webseiten einfließen:

  1. Textorientierung: Alle Inhalte, die kein Text sind, also Bilder oder Multimedia, müssen mit gleichwertigen Texten hinterlegt werden. Bei Bildern ist das der Alternativtext. Die Textorientierung ist insbesondere für Blinde, aber bei Audio auch für Gehörlose bedeutsam.
  2. Kontraste und Farben: Insbesondere die Kombination von Vordergrund- und Hintergrundfarben ist ein kritischer Faktor bei der Wahrnehmung am Bildschirm. Auf der einen Seite sollten Farbkombinationen vermieden werden, die bei Farbblindheit unleserlich werden. Andererseits sollte berücksichtigt werden, dass Sehbehinderte oft ihre Farbeinstellungen ändern und z.B. auch Internetseiten mit invertierten Farben anschauen. Wer aber Webseiten bei Sonneneinstrahlung zu lesen versucht hat, weiß auch, wie wichtig Kontraste für die Lesbarkeit sind.
  3. Skalierbarkeit: Ein Layout und die Schrift müssen sich an Bildschirmauflösung und Schrifteinstellungen des Nutzers anpassen lassen. Dabei reicht die Zoomfunktion der Browser bei weitem nicht aus, um den Bedürfnissen Sehbehinderter gerecht zu werden. Layouts müssen flexibel und nicht für bestimmte Bildschirme optimiert werden. Beispielsweise muss ein Layout bei 800 × 600 Pixel Bildschirmauflösung genauso gut funktionieren wie bei höheren Auflösungen.
  4. Linearisierbarkeit: Sprachausgaben lesen Inhalte »stur« von vorne nach hinten. Im Gegensatz zum Lesen am Bildschirm, wo sich ein sehender Leser einen Überblick über die verschiedenen Bereiche verschaffen kann, ist beim Hören einer Webseite die Ausgabe sequentiell.
  5. Geräteunabhängigkeit: Viele Webseiten sind auf die Nutzung der Maus optimiert, aber die Tastaturbedienung muss mindestens gleichwertig möglich sein.
  6. Verständlichkeit, Navigation und Orientierung: Es gibt auch viele »weiche Kriterien« bei der Barrierefreiheit. Es geht dabei vielfach um Orientierungsmöglichkeiten, etwa Übersichten, und das Finden von Inhalten, etwa durch phonetische Suchfunktionen. Letztlich geht es darum, dass bei der Erschließung von Inhalten Besucher verschiedene Strategien anwenden und diese bei der Gestaltung berücksichtigt werden müssen.

Fazit

Das Internet gehört zum Alltag, wobei die Beteiligung von Menschen mit Behinderungen im Internet vermutlich größer ist als in anderen gesellschaftlichen Bereichen. Für einen blinden Menschen ist es beispielsweise wesentlich leichter alleine das virtuelle Rathaus aufzusuchen als das Büro des zuständigen Sachbearbeiters zu finden.

Webdesigner sind immer wieder aufgefordert, die Brücke zwischen Technik und Mensch neu zu schlagen. Das gilt für die Nutzbarkeit im Allgemeinen und im Speziellen, wenn es um Barrierefreiheit geht, denn letztlich bringt eine Webseite dann einen Nutzen, wenn möglichst alle Besucher etwas damit anfangen können.

Weitere Quellen


Autorenfoto: Jan Eric Hellbusch

Antwort von: Jan Eric Hellbusch ist Autor der beiden gleichnamigen Titel Barrierefreies Webdesign sowie weiterer Fachveröffentlichungen zum Thema. Mit »2bweb.de« bietet er bundesweit Beratung und Schulungen für barrierefreies Webdesign an. Seit vielen Jahren setzt er sich ehrenamtlich für die Belange Blinder und Sehbehinderter ein.


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